Wie du dich mit einfachen Schritten auf deinen Termin im Endometriosezentrum vorbereiten kannst

Vor einem Besuch im Endometriosezentrum oder bei einem:r Facharzt/-ärztin kann einem der Arsch ganz schön auf Grundeis gehen. Jedenfalls ging es mir so. Ich habe nächtelang kein Auge zu bekommen und wollte mich aber gleichzeitig so gut vorbereiten, damit ich die Zeit, die ich im Behandlungszimmer habe, auch sinnvoll nutzen kann und nicht vor Nervosität vom Stuhl kippe oder wirres Zeug von mir gebe.

Dass du eventuell etwas aufgeregt bist, ist absoulut berechtigt! Aber der Termin in einem Endometriosezentrum kann mit der richtigen Vorbereitung auch ein wenig geschmeidiger über die Bühne gehen.

Um dich bei deiner Vorbereitung ein wenig zu unterstützen, habe ich Ordnung in meine Notizen gebracht.

Gut zu wissen!

Bringe deine Unterlagen vollständig und sortiert zu deinem Termin mit.

Dazu gehören:

  • Arztbriefe
  • Operationsberichte
  • Untersuchungsergebnisse
  • Befunde
  • Evtl. Schmerztagebuch

 

Sei vorbereitet auf Fragen in Bezug auf:

  • Deine Symptomatik
  • Deinen Krankheitsverlauf
  • Deine medikamentöse Behandlung
  • Die Nebenwirkungen deiner derzeitigen Therapie
  • Andere Erkrankungen
  • Bereits stattgefundene Operationen
  • Einen eventuellen Kinderwunsch

Sei dir deiner Rechte bewusst!

Untersuchungen, die in einer Erstuntersuchung in einem Endometriosezentrum enthalten sind:

  • Vaginaler Ultraschall
  • Untersuchung mit einem Spekulum
  • Vaginale & rektale Tastuntersuchung
  • Beratungsgespräch
  • Nierensonographie

 

Im Ernstfall:

Fordere eine fehlende Untersuchung ein! Es geht schließlich um deine Gesundheit.

Notiere dir Fragen, Gedanken und Bedenken zu folgenden Themenfeldern

  1. Deine Symptome

Notiere dir die Symptome, die du mit deiner Endometriose in Verbidnung bringst. Aber auch Auffälligkeiten, die augenscheinlich rein gar nichts mit Endometriose zu tun haben.

– Periodenschmerzen, Schmerzen beim Sex, Übelkeit, Beinschmerzen, Taubheitsgefühle, etc.

– Du hast Schmerzen in den Schultern? Aufschreiben!

– Dir wird schlecht, wenn du Brot, Pizza oder Nudeln isst? Notieren!

Es kann sehr hilfreich sein, wenn du bereits ein Schmerztagebuch über deine Schmerzen geführt hast. Das muss nichts Spektakuläres sein: Art, Ort, Zeit & Dauer der Schmerzen und schon kann es deinem:r Arzt/Ärztin leichter fallen, deine Symptome einzuordnen.

Ich hatte immer sehr starke Schmerzen, wenn ich Schluckauf hatte. Allerdings habe ich mir nie etwas dabei gedacht. Im Endeffekt hat sich herausgestellt, dass ich tiefinfiltrierende Endometriose im Zwerchfell habe. Das bedeutet keinesfalls, dass das bei dir auch der Fall sein wird. Ich möchte damit nur verdeutlichen, dass manche Symptome nicht sofort Endometriose schreien, aber eine Diagnosefindung vereinfachen bzw. ausschließen können.

2. Dein Krankheitsverlauf

Nimm dir die Zeit und setze dich mal 30 Minuten mit einem Blatt Papier und einem Stift an einen Tisch und gehe gedanklich zurück zu dem Zeitpunkt, als du das erste Mal deine Periode bekommen hast.

Was ist seitdem im nahen, aber auch entfernten Kontext deiner Erkrankung passiert?

Hattest du schon damals verstärkte Periodenschmerzen?

War deine Periode schon immer sehr stark?

Erinnerst du dich daran, wann die starken Periodenschmerzen bei dir eingesetzt haben?

Hattest du eventuell häufig Probleme mit der Blase  oder der Verdauung?

Wie sieht es mit Schmerzen beim Geschlechtsverkehr aus? Wann haben diese Schmerzen eventuell eingesetzt?

Hier sind noch ein paar weitere Schlagwörter, die dir helfen können, dich zu sortieren:

Beginn hormonelle rVerhütung, Absetzen hormoneller Verhütung, das erste Mal den Begriff Endometriose gehört, das erste Mal darüber nachgedacht, Endometriose zu haben, Arzttermine im Zusammenhang mit Endometriose, Termin Endometriosezentrum, erste Laparoskopie, weitere Operationen, Diagnose Endometriose, Ernährungsumstellung, Bewegungsumstellungen, Beginn & Ende Therapien, Beginn & Ende psychologische Behandlungen, Beginn Einnahme & Absetzen Hormone, andere wichtige Ereignisse in meinem Leben, Schwangerschaft, Diagnose anderer Krankheiten, etc.

3. Deine medikamentöse Behandlung und unerwünschte Nebenwirkungen

Eventuell hast du bereits vor deinem ersten Termin im Endometriosezentrum eine Laparoskopie durchführen lassen, um deine Endometriose-Diagnose zu erhalten. Und vielleicht hast du von deinem:r Gynäkologen:in bereits eine medikamentöse Behandlung vorgeschlagen bekommen oder angefangen.

Es ist sehr hilfreich für deine:n Arzt/Ärztin im Endometriosezentrum, wenn du die eventuellen Nebenwirkungen deiner Behandlung auf dem Schirm hast, um eine geeignete Behandlung für dich zu finden. Ähnlich wie bei deiner Symptomatik brauchst du auch hier nichts Wildes auf die Beine stellen.

Notiere dir:

  • Was hat sich seit der Einnahme der Medikamente verändert?
  • Habe ich zusätzliche Schmerzen?
  • Wann treten die Nebenwirkungen auf?
  • Verändern sich die Nebenwirkungen in der Intensität oder sind sie gleichbleibend?

 

Rückblickend bin ich nicht mehr so sehr davon überzeugt, dass es bei mir Sinn gemacht hat, den Beipackzettel genauestens zu studieren und somit quasi auf die Nebenwirkungen zu warten. Vielleicht habe ich mir sogar einen kleinen Nocebo-Effekt mit ins Boot geholt.

4. Allgemeine Fragen

Mache dir Gedanken über ganz allgemeine Fragen, die dir vielleicht schon seit du das Wort ‚Endometriose‘ das erste Mal gehört hast, im Kopf rumschwirren. Was brennt dir unter den Nägeln?

Tipp: Am besten machst du dir immer direkt eine Notiz zu dieser Fragenkategorie, wenn dir etwas in den Sinn kommt.

Allgemeine Fragen, die ich gestellt habe:

Warum wird Endometriose als gutartig angesehen? Was bedeutet das Stadium meiner Erkrankung? Wie regelmäßig finden meine Untersuchungen im Endometriosezentrum ab jetzt statt?

5. Fragen nach der Untersuchung

Mache dir im Vorfeld schon Gedanken darüber, welche Fragen du nach deiner Untersuchung stellen möchtest.

Mögliche Fragebeispiele:

  • Erachten Sie einen operativen Eingriff als sinnvoll?
  • Welche Art von Schmerztherapie ist in meinem Fall sinvoll?
  • Wo bekomme ich psychologische Beratung?
  • Können Sie mir Gynäkologen:innen in meiner Nähe empfehlen?

Ich kann mir gut vorstellen, dass eine solch umfangreiche Vorbereitung etwas einschüchternd wirken kann, ABER im Regelfall bekommst du nicht innerhalb von zwei Tagen einen Termin im Endometriosezentrum. Das bedeutet: Du hast Zeit für deine Vorbereitung. Versuche sie dir auch zu nehmen. Eine gute Vorbereitung kann dir sehr viel Aufregung und Druck ersparen. Weiterhin ist die Vorbereitung nicht nur sinnvoll, um deine:n Ärztin/Arzt im Endometriosezentrum ausführlich zu informieren, sondern kann entscheidend für den weiteren Verlauf deiner Gesundheit sein. Außerdem kommst du dir selbst, wenn du dich in einem solchen Umfang mit deiner Erkrankung auseinandersetzt, ein gutes Stück näher.

Also, mein:e Liebe:r! Schritt für Schritt kommst du an dein Ziel. Nimm dir die Zeit für dich da zu sein, tritt für dich und deine Gesundheit ein und mit ein bisschen Zeit sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.

Ich drücke dir die Daumen für die Vorbereitung auf deinen Termin im Endometriosezentrum. Wenn du noch weitere Fragen hast, dann melde dich sehr gerne bei mir.

Du bist nicht alleine! Du schaffst das!

Deine Toni

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Hinfallen. Aufstehen.

Vielleicht war es der liebe Gott, vielleicht das Universum oder auch nur ein kosmischer Zufall. Vielleicht passierte es im alten VW Bus damals am Gardasee nach Spaghetti aglio e olio

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